DANACH
Es wird nach einem happy end 
im Film jewöhnlich abjeblendt.
Man sieht bloß noch in Ihre Lippen
den Helden seinen Schnurrbart stippen –
da hat sie nu den Schentelmen.
Na, und denn–?
Kurt Tucholsky, 1930
„ENDE“ – „THE END“ – „FIN“ – „IL FINITO“ – „KONEC“ waren früher regelmäßig auf der Kinoleinwand zu lesen. Mit diesem Schriftzug wurde der Zuschauer aus der Fiktion, sozusagen per Ansage oder einem beleuchteten AUSGANG gleich, wieder in die Realität entlassen. Ein einziges Bild oder eine längere Einstellung, in die der Endeschriftzug eingeblendet wurde, markierten diesen Übergang: Fiat lux oder das Ende des kalkulierten Realitätsverlusts.
Nicht selten ein Hard-Cut, wenn die Handlung allzu abrupt endete. Schließlich hat man oft nur zu gern wissen wollen, wie es DANACH weiter ging: eben Highnoon oder Honeymoon. (Erst viel später wurde dieses Bedürfnis mit dem Sequel, der regelmäßig nicht endenwollenden Fortsetzung von Erstlingserfolgen befriedigt). 
Aber irgendwann wurde die typographische Schlussklappe nicht mehr geschlagen. Auch wenn das vielfach prophezeite Ende des Kinos nicht eingetreten ist, das verschriftlichte Film-Ende hat längst aufgehört zu existieren. Geblieben sind flüchtige Signets finaler Zuspitzung von mitunter wahrer Schönheit. Geschnittene Schrift für geschnittenes Licht; nicht selten von Großmeistern des Grafikdesigns für Grand Seigneurs des Kinos – ges(ch)ehen durch Saul Bass für ,North by Northwest‘ von Alfred Hitchcock. 
Mit der Serie „Das Ende“ rolle ich ein Stück der Film(enden)geschichte – wenn man so will – von hinten auf, friere jene flüchtigen Szenen ein und schneide sie neu: schwarz auf weiß als Linolschnitte. 100 Stück, Vielfalt in Form, Sprache und Komposition. 
Vielfalt aber auch in der Dimension des Verlusts – auch in einer weiteren Bedeutung. Das ,Ende' als Fanal eines zuende gegangenen (Zeit-),Streifens‘, an Themen, an Möglichkeiten des Lebens in einer zunehmend existentiell bedrohten Umwelt.
Die Grafikserie „Das Ende“ bedient sich daher retrospektiv der Filmenden, um ursprünglich wie diese, (jedenfalls) wach zu machen und anschließend das Licht angehen zu lassen. Denn einen drohenden Verlust kann man – meine ich – am besten anhand eines bereits eingetretenen deutlich machen.
The End of Never-Too-Late Songs
The End of Never-Too-Late Songs
	 The End of The End of Ventura-ventures
The End of The End of Ventura-ventures
The End of Kitty Kitty Bang Bang  (Walk on the Wild Side, Regie Edward Dmytryk)
The End of Kitty Kitty Bang Bang (Walk on the Wild Side, Regie Edward Dmytryk)
The End of MacGuffins (or Lions in the Scottish Highlands)  (The 39 steps, Regie Alfred Hitchcock)
The End of MacGuffins (or Lions in the Scottish Highlands) (The 39 steps, Regie Alfred Hitchcock)
	 The End of Noms de Plume  (Bonjour Tristesse, Regie Otto Preminger)
The End of Noms de Plume (Bonjour Tristesse, Regie Otto Preminger)
	 The End of Never Ending Ends  (Entr'acte, Regie René Clair)
The End of Never Ending Ends (Entr'acte, Regie René Clair)
	 The End of Tableaux Vivants Listening The Ricotta Twist  (La Ricotta, Regie Pier Paolo Pasolini)
The End of Tableaux Vivants Listening The Ricotta Twist (La Ricotta, Regie Pier Paolo Pasolini)
The End Of Hospitality  (Die Sehnsucht der Veronica Voss, Regie Rainer Werner Fassbinder)
The End Of Hospitality (Die Sehnsucht der Veronica Voss, Regie Rainer Werner Fassbinder)
The End Of Letter-lovin’ Birdmen  (Le Corbeau, Regie Henri-Georges Clouzot)
The End Of Letter-lovin’ Birdmen (Le Corbeau, Regie Henri-Georges Clouzot)
The End Of Carte Blanche  (A Streetcar Named Desire, Regie Elia Kazan)
The End Of Carte Blanche (A Streetcar Named Desire, Regie Elia Kazan)
	 The End Of Rawhide Buckos  (My Darling Clementine, Regie John Ford)
The End Of Rawhide Buckos (My Darling Clementine, Regie John Ford)
The End Of Wagner On The Hi-Fi At Top Volume  (Les Cousins, Regie Claude Chabrol)
The End Of Wagner On The Hi-Fi At Top Volume (Les Cousins, Regie Claude Chabrol)
The End Of Aping Cats In Night-shrouded Alleys  (Odd man out, Regie Carol Reed)
The End Of Aping Cats In Night-shrouded Alleys (Odd man out, Regie Carol Reed)
The End Of Perfect Capers  (Du rififi chez les hommes, Regie Jules Dassin)
The End Of Perfect Capers (Du rififi chez les hommes, Regie Jules Dassin)
The End Of Sleeping Naked Under Furs  (Nanook of the North, Regie Robert Flaherty)
The End Of Sleeping Naked Under Furs (Nanook of the North, Regie Robert Flaherty)
Serie von 105 Linolschnitten (Auswahl) • 2010 – 2013

Das Ende •Plakat •42cm x 59,4cm

Back to Top